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                                 HEINRICH - HEINE - GYMNASIUM OBERHAUSEN 


Das Oberhausener Heinrich-Heine Gymnasium hieß bei meinem Dienstantritt als Lehrer (1.6.1968) noch
Staatliches Gymnasium Oberhausen, war eine konservative Schule mit Latein und Griechisch und einem
Lehrerkollegium aus überwiegend älteren Herren, die dem jungen Referendar schon mal die Leviten lesen
mussten, wenn er es wagte, sich während einer Freistunde  auf den Stuhl des Herrn Oberstudienrats F.
zu setzen - die Referendare hatten damals nämlich noch einen eigenen Raum, eine Art Abstellkammer, in
der sie sich aufhalten sollten, um auf diese Weise den - wie gesagt, überwiegend älteren - Kollegen ih-
ren Anblick zu ersparen... den Anblick junger Leute mit langen Haaren, ohne Krawatte, sogar in Cordho-
sen oder rotem (!!!) Rollkragenpullover.  "Den Pullover tragen wir nur zu Hause",  hieß es in dem schul-
internen Leitfaden für Referendare, "in der Schule kleiden wir uns angemessen..."

Oh, wie ich dieses einvernehmende "Wir" liebte!

Ich trug trotzdem keine Krawatte und weiterhin Rollkragenpullover oder offene Hemden, und da wir ein
gutes halbes Dutzend Referendare waren,  konnten wir uns auch gegenseitig stützen - denn in einer An-
stalt,  in der es den Schülern strengsten verboten war,  auch nur in das Lehrerzimmer hineinzuschauen,
weshalb die Tür auch immer verschlossen bleiben musste, war gegenseitiges Stützen bitter notwendig.

("Schüler dürfen das Lehrerzimmer nicht betreten - es könnte doch sein, dass sie dabei sehen, wie Herr
Studienrat K. in seinen Apfel beißt  -  nicht auszudenken, was das für Auswirkungen auf seine Autorität
hätte. Ein Lehrer beißt nicht in einen Apfel,schon gar nicht in jeden, ein Lehrer ist ein Neutrum, omnia 
huma
niora ei absunt - alles Menschliche ist ihm fremd...")

Das Klima änderte sich allerdings sehr bald, als mein alter Bio- und Physiklehrer Karlheinz Kuhs (eine Zeit
lang Bürgermeister von Essen in den Zeiten der SPD/ F.D.P.-Koalition, bis zu seinem Tod am 8.11.2008 
Ehrenvorsitzender der
Essener F.D.P.) mein Schulleiter wurde - sein liberaler Geist breitete sich allmählich 
aus. Wie er Libera
lismus verstand, wurde unmittelbar einsichtig bei der Lösung des Dauerproblems "Toilet-
ten": Schüler hat
ten aus Mutwillen eine Toilettentür herausgerissen. Herr Kuhs zog daraus den Schluss:  
"Die Schüler sind
im Zuge der Ereignisse von 1968 gegen jede Heimlichtuerei, für absolute Offenheit - sie
wollen ganz offensichtlich öffentlich scheißen" - und ließ alle Toilettentüren herausnehmen...

Heute heißt das Staatliche Gymnasium Oberhausen "Heinrich-Heine Gymnasium" - die Wahl dieses Namens
zeigt überdeutlich, wie sehr sich das Klima gewandelt hat, - ist durch die Fusion mit dem ehemaligen Nova-
lis-Gymnasium eine recht große Schule geworden  und hat eine Reihe von erfolgreichen Schülern hervorge-
bracht. Am bekanntesten ist in den letzten Jahrzehnten sicher der Filmemacher und Regisseur Christoph
Schlingensief 
geworden - den kannte ich zwar nur flüchtig,  aber einige meiner eigenen Schüler haben es
durchaus weit gebracht. Rechtsanwälte, Ärzte, Architekten, Zahnärzte usw. - die ganze Skala der gehobenen Berufe wird abgedeckt, sogar Lehrer sind dabei...  Mein letzter Klassensprecher Michael Groschek war MdL, MdB und ist jetzt der NRW-Verkehrsminister, Michael Grundmann ware lange Geschäftsführer der Centro-Managament GmbH, der Dachgesellschaft für das Centro Oberhausen, Andreas Bomheuer war der erste Geschäftsführer des neuen Rock- und Popmuseums in Gronau, des bisher einzigen seiner Art in Europa, und ist jetzt Kulturdezernent in Essen; Hans-Georg Küppers ist der neue Kulturdezernent in München und Gereon Reymann ist seit vielen Jahren beim WDR -Rundfunk und berät zur Zeit Gartenfreunde - manchmal live aus seinem schönen Garten in Köln-Nippes... 
Christoph Schlingensief

Das Heinrich-Heine Gymnasium ist natürlich auch online zu erreichen: http://www.nw.schule.de/ob/hhg/